Löbichauer siegt im Mountainbikerennen „Rund um die Halde Beerwalde“

Während ganz Löbichau am 28.04.2007 mit seinen Gästen feierte, startete der eigentliche Showdown punkt 15.00 Uhr unter dem Förderturm. Das Mountainbikerennen „Rund um die Halde Beerwalde“ wurde hier von Landrat Sieghardt Rydzewski gestartet. Etwa 20 Akteure nahmen dabei die anspruchsvolle 40 km-Distanz für Fastbeinaheprofis in Angriff. Weitere 30 Hobbyradler wagten sich auf die verkürzte 20 km-Strecke.

Mit der 2. Auflage dieses Rennens kann man nun mittlerweile auch von einem echten Frühjahrsklassiker im Altenburger Land sprechen. Vergessen Sie das Pflaster von Paris – Roubaix, wenn es auf einer alten Betonstraße nach Wildenbörten geht! Vergessen Sie den berüchtigten Anstieg „Mur de Huy“ beim Klassiker La Fleche Wallone, wenn Sie die Halde Beerwalde erklimmen! Und vergessen Sie die zahlreichen tückischen Tunnel der Zentralalpen von Briancon nach Bourg-d-Oisans, wenn Sie durch den Löbichauer Schlosstunnel donnern. Dieses Rennen vereint alle Schwierigkeiten und fordert Mensch und Material in ungeahnten Dimensionen.

Nachdem man sich in Löbichau im vorigen Jahr noch in Bescheidenheit gezeigt hatte und das Feld fast kampflos den Altenburger Radlern überließ, war es nun an der Zeit, den rumreichen Siegerpokal nach Löbichau zu holen. Das Ziel war gesteckt, nur die Suche nach dem geeigneten Fahrer gestaltete sich anfänglich mehr als schwierig. Alle in betracht kommenden Radler hatten bislang nur bei ausgiebigen Männertagstouren auf sich aufmerksam gemacht. Ganz und gar möchte man schweigen über die Sollwerte, die über den Bodymaßindex vorgegeben werden. Insofern war es ein Glücksfall, als Toni Kratzsch in Erwägung zog als Löbichauer Starter in diese Schlacht der Radgladiatoren zu ziehen. Die konditionellen Voraussetzungen wurden nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden erarbeitet und in der letzten Vorrennenwoche wurde das nicht minder wichtige Material auf den anspruchsvollen Parcours abgestimmt.

Alles schien nach Plan zu laufen – bis zu jenem 28.04.2007, 15.00 Uhr! Noch am Start hatte wirklich niemand mit einem extrem gut aufgelegten Tandemgespann gerechnet und es kostete schon hier danach einige nicht eingeplante Körner, damit Toni Kratzsch als Erster in das Dunkel des Löbichauer Waldes eindringen konnte. Doch schon nach dem Schlosstunnel bei der Ausfahrt zur Beerwalder Straße wartete das erste Missgeschick! Weißkalk, als Richtungszeichen aufgebracht, sollte in Zusammenwirken mit der Schwerkraft Toni Kratzsch zum stürzen bringen. Hier verlor er nicht nur seine zwischenzeitliche Führung, sondern auch sein Crossrad wurde arg in Mitleidenschaf gezogen. Wie sehr, das sollte sich am Anstieg nach Wildenbörten zeigen. Als sich hier die Zahnkränze mit ungezähmter Spannkraft im die Kette pressten sprang diese kurzerhand vom besagten Ritzel und zwang ihn zu einer kurzen Montagepause. Aber auch das war kein Grund zum Aufgeben. Fluggs saß die Kette wieder an ihren gewohnten Platz und es ging auf die Verfolgungsjagd. Bei der ersten Haldenüberquerung hatte Radrennfahrer Kratzsch bereits wieder einen leichten Vorsprung vor dem Biturbomotor des Tandems.

Jetzt sollte er diesen Vorsprung noch über eine Runde ins Ziel bringen und gut wäre gewesen. Aber nicht so an diesem Tag! Bei der zweiten Haldenüberquerung ging Toni Kratzsch förmlich die Luft aus. Der Grobschotter im Abfahrtsbereich setzte dem Material dermaßen zu, dass zu allem Übel ein Reifen stark Luft ließ und er mit diesem Rad nicht weiterfahren konnte. Ein aufmerksamer Zuschauer eines befreundeten Nachbarortes überließ ihm daraufhin am Haldenfuß sein Fahrrad. Dass es sich hierbei um ein Damenrad mit Nabenschaltung handelte störte ihn wenig und er nahm die letzten 4 km mit diesem Gefährt in Angriff. Da er seinem Vorsprung bis ins Ziel verteidigen konnte, gestalteten sich die letzten Meter zu einer reinen Triumphfahrt. Die Schalmeienkapelle Löbichau beendete ihr Platzkonzert und empfing mit allen anderen Zuschauern frenetisch den Lokalmatadoren, der hier immer noch gut zwei Minuten Vorsprung auf das Tandem aus Leipzig mit den Fahrern Matthias und Stephan Koch hatte. Den dritten Platz belegte der Altenburger Steffen Papke.

So fand alles doch noch sein gutes Ende und als der Sieger den Pokal aus den Händen der BUGA-Königin Simone Hartung empfing waren alle Strapazen vergessen. Wir gratulieren den Siegern und verneigen uns vor allen, die diese schwierige Strecke in Angriff genommen haben, selbst wenn es „nur“ die verkürzte Distanz gewesen sein sollte. Besonders freut uns aber, dass es einem Löbichauer gelang, den Pokal in unsere Gemeinde zu holen!

Ralph Lorenz